Zum zehnjährigen Jubiläum macht das Jazzfest Bonn sich selbst ein Geschenk und hat einige Musiker*innen gebeten, ein neues Werk zu komponieren. Vorgestellt werden die drei- bis zehnminütigen Werke, in denen Improvisation und Interpretation einander die Hand reichen, bei den Konzerten im Rahmen des Festival 2019.

Peter Materna: „Nahezu alle Jazzmusiker sind auch Komponisten. Unter den diesjährigen Künstlern sind viele beeindruckende Persönlichkeiten, die individuelle Wege zwischen Tradition und Innovation gehen. Diesen Mut und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, wollen wir unterstützen.“

Die Uraufführungen werden Sie in den Konzerten folgender Künstler erleben: Lisa Wulff, Lukas Kranzelbinder, Jo Beyer, Laura Totenhagen, Eric Schaefer, Monika Roscher, Julia Hülsmann

Die Vergabe der Auftagskompositionen wurde unterstütz von:


„Nightmares and Daydreams“
Von Lisa Wulff
Uraufführung am Freitag, 17. Mai, Opernhaus Bonn
Circa 1.000 Zuhörer*innen

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Erklärung der Komponistin zum Werk:
Das Stück trägt den Titel „Nightmares and Daydreams“ und beschreibt verschiedene Zustände im alltäglichen Leben eines Jazzmusikers, zwischen der Suche nach Neuem, dem Kompromiss zum Broterwerb und dem inneren Ausdrucksdrang durch Improvisation, die einem den Ausbruch aus dem Alltag ermöglicht.


„No more silence“
Von Lukas Kranzelbinder, Shake Stew
Uraufführung am Sonntag, 19. Mai, Pantheon
Circa 430 Zuhörer*innen

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Erklärung des Komponisten zum Werk:
„No more Silence“ resultiert für mich aus einem Gefühl der Sprachlosigkeit, das viele Menschen in meinem Umkreis in den letzten Jahren erreicht hat. Das Gefühl, etwas sagen zu wollen, aufzuschreien, der Wunsch, dass endlich jemand seine Stimme erhebt und die eindringliche Hoffnung, dass diese Stimme dann wirklich einen Unterschied macht und aufzeigt, was doch so offensichtlich nicht in Ordnung sein kann. Viele Bekannte, Freunde und Kolleginnen und Kollegen erzählten in dieser Zeit davon, dass sie nicht mehr wissen, was sie sagen sollen, weil sie glauben, dass ihre Worte leer sind und ihre Stimme nicht gehört wird. So pathetisch es auch klingen mag, aber in diesen Momenten bleibt Musik nach wie vor das mächtigste Sprachrohr der Emotionen! Lasst den Jazz für euch sprechen, singen, schreien! Nutzt die Kraft dieser universellen Sprache um eure Gedanken über alle Grenzen hinaus zu kommunizieren! Erhebt eure Stimmen, No more Silence!


„Kyoto Statio“
und „Moving Along“
Von Eric Schaefer
Uraufführung am Samstag, 18. Mai, Bundeskunsthalle
Circa 400 Zuhörer*innen

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Erklärung des Komponisten zum Werk:
Kyoto Station – täglich kommen und gehen hier 200.000 Menschen. Welch Kontrast zur Stille der Tempel. Doch Stille kommt und geht wie alles andere auch – Moving Along.


„If you could only climb into my brain“
Von Laura Totenhagen
Uraufführung am Donnerstag, 23. Mai 2019
Circa 300 Zuhörer*innen

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Erklärung der Komponistin zum Werk:
Meine Komposition trägt den Titel „If you could only climb into my brain“. Es geht in der Komposition um einen Wunsch und das Gedankenexperiment, indem ich mir vorstelle, wie es wäre, wenn das Gegenüber in meinen Kopf hineingucken könnte. Die Inspiration dazu kam durch verschiedene Alltagsszenen, in denen ich selbst war und/oder ich andere dabei beobachtet habe, wie sie aneinander vorbeireden. Das fand ich sehr spannend.
Dieses Thema kombiniere ich mit einem anderen: Der Song spricht auch über Unordnung. Die Person behauptet, dass ihr/sein Chaos eine Art Ordnung sei, die sie/ihn durch den Tag leitet.
Tonal wird in meiner Komposition recht viel vorgegeben. Wie diejenige das tonale Material dann rhythmisch interpretiert, ist ihr mehr oder weniger selbst überlassen. So ist jede Version des Stückes anders und verlangt absolute Aufmerksamkeit der Sängerinnen. Es gibt einen Stimmeffekt, eine Art „Stimmhickser“, der sich durch das ganze Stück zieht und die Verspieltheit und Neugierde des Songs unterstützt.
Das Tonspektrum bewegt sich mithilfe von Quint -und Quartschichtungen durch E, wandert dazwischen durch kadenzielle Bewegungen in andere Tonarten (Bb-Dur, Db-Dur, Ab-Dur), kehrt dann aber immer wieder nach E zurück und verstummt schließlich fast völlig. Was übrig bleibt, sind die immer leiser werdenden „Stimmhickser“.


„Creatures of Dawn“
Von Monika Roscher
Uraufführung am Freitag, 31. Mai 2019
Circa 1.000 Zuhörer*innen

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Erklärung der Komponistin zum Werk:
Das Stück „Creatures of Dawn“ entstand als mich immer wieder Leute nach Konzerten darauf ansprachen ob ich nicht ein James Bond Stück schreiben könnte, weil anscheinend einige denken, dass wir das gut machen würden. Diese Herausforderung habe ich angenommen, und habe erst mal einen Martini gerührt – also als Schreibgrundlage – und los ging es! Die ersten 10 Sekunden sind gar nicht so schlecht für James Bond geworden, aber danach ist es eskaliert… das lag an dem Martini, weil der eben gerührt war und nicht geschüttelt, sonst hätte das mit Sicherheit geklappt für den nächsten Titelsong.
Mein Bruder Ferdinand wird in dem Stück am Kontrabass gefeatured, das freut mich besonders, weil ich weiß wie gut er am Kontrabass slappen kann, und das Stück habe ich quasi extra für seinen Stil geschrieben. Mir macht das Stück extrem Spaß, vor allem wenn der Ferdi im Solo so abrockt, das treibt uns als Band an noch mehr Gas zu geben!

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