zettbe: das magazin zum jazzfest bonn 2022

war ein magischer Auftritt, mit dem Richie Havens das Woodstock-Festival eröffnete. Weil die als Opener eingeplante Band noch nicht auf dem Festivalgelände eingetroffen war, hatten die Veranstalter Havens, einen noch weitgehend unbekannten, afroamerikanischen Singer/Songwriter, auf die Bühne geschickt. Havens spielte sein ganzes Repertoire, spielte bis ihm nur noch ein Wort blieb, freedom, und immer wieder in verschiedenen Klangschattierungen: freedom. Havens hatte den Gospelklassiker Motherless Child in einem mitreißenden Beat auf der Gitarre zusammen-geschmolzen und nicht viel mehr übrig gelassen als einige Bluesphrasen und den Schrei: freedom. Die Freiheit, die Havens meinte, umriss class und race, und schwang sich auf in die Höhe von liberté, égalité, fraternité, der Dreifaltigkeit der Französischen Revolution. Erst kollektiv, im spannungsreichen Dreiecksverhältnis mit Gleichheit und Brüderlichkeit, entfaltet sie ihre volle, utopische Kraft. In Havens‘ speziellem Fall geht es hier um die Verwirklichung jenes Traumes von Gleichberechtigung, den Martin Luther King auf den Punkt gebracht hatte. Mit seinem Freiheitsruf fordert Havens die kollektive Befreiung vom Alptraum der Sklaverei und ihren fortdauernden Nachwirkungen. Zugleich spannt er einen Bogen zurück in die Geschichte afroamerikanischer Musik in Nordamerika, zu Gospel und Blues, zu den Wurzeln des Jazz also. ➜ 15 nachmittags kurz nach fünf. Es Bethel, 15. August 1969,

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