zettbe: das magazin zum jazzfest bonn 2022

Selbst stilisierung des Jazz als rebellische Kraft Jazz ist ein Produkt der Begegnung der Nachkommen von Zuwanderern aus verschiedenen geographischen wie sozialen Herkunftskulturen, von freien Bürgern und abhängigen Arbeitern aus Europa und von den Nachfahren der Versklavten aus Afrika, denen bis zur offiziellen Abschaffung der Sklaverei in vielen Fällen jedweder eigenbestimmte Zugang zu Musik außerhalb der Kirchen verboten war. Schon zu singen, zu trommeln, zu tanzen, konnte als ein Akt der Rebellion gegen die Autorität der Sklavenhalter verstanden werden. Vor diesem Hintergrund hat die musikalische Ausdrucksfreiheit im Jazz für afroamerikanische Jazzmusiker eine deutlich stärker politische Klangfarbe als für diejenigen, die – auf welcher sozialen Stufe auch immer – der dominanten, europäisch definierten Musikkultur angehörten. Und tatsächlich ist es nicht abwegig, die Geschichte zumindest dieses Teils des Jazz als eine Geschichte der Selbstermächtigung zu immer weiteren Ausdrucksfeldern und des Zurückdrängens derartiger Spielverbote, eines Freiheitszuwachses auf der Seite des musikalischen Materials zu interpretieren. 16

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