zettbe: das magazin zum jazzfest bonn 2022

29 Im Jahr 1988 war das, bei der Internationalen Jazzwoche Burghausen*. Die portugiesische Sängerin Maria João sang, performte, schauspielerte und tönte eine Solo-Einlage in einem Konzert im Duo mit Pianistin Aki Takase. Ein Festival-Highlight. Ein bannender Moment. Musik von außergewöhnlicher Innigkeit – mit maximalem persönlichen Kolorit. Experimentelle Töne von unbegleiteten Stimmen hatten in den 1980er Jahren Hochkonjunktur – mit Sängerinnen wie Urszula Dudziak, Jeanne Lee, Jay Clayton und Lauren Newton unter dem Namen „Vocal Summit“ und natürlich mit einer Wunderstimme wie der des amerikanischen Sängers Bobby McFerrin. Sie alle sprengten die Grenzen der Ausdrucksformen, blieben nicht beim silbenwirbelnden „Scat“-Gesang, sondern machten auch vermeintlich Geräuschhaftes zu Musik. Oft war ihre virtuose Vokalmusik nicht nur avantgardistisch, sondern auch höchst unterhaltsam. Und das Publikum lauscht gebannt. Mucksmäuschenstill. Kein Geräusch, kein Huster, nur Aufmerksamkeit für eine Frau, die allein mit der Stimme und ohne jedes Instrument im Hintergrund eine Geschichte erzählt, ja – vorlebt: in diesem Fall eine begonnene weibliche Biographie von der Windel bis zum Liebestaumel. * ... und vorher schon im Bonner Kulturforum, späteres Pantheon, am Bundeskanzlerplatz (Anmerkung der Redaktion) So auch bei Maria João, deren freie Improvisationen stets eine berührende Nähe und Intimität hatten. Jazz, eine Musik, von der sie nichts wusste, bevor sie einst durch Zufall damit in Kontakt kam, ist für Maria João „die Musik, die wirklich zu mir passt“, wie sie in einem Interview sagte. „Die Freiheit der Improvisation, das Abenteuer ständigen Wandels“, das war es, was sie an dieser Musik faszinierte. Und was sie bis heute auf der Bühne leidenschaftlich auslebt – mit oft vor Vergnügen blitzenden Augen und tief berührenden Tönen. ➜ Eine Frau alle in im Rampenlic ht. Trällert eine kleine Melodi e. „I am a girl“. Juchzt plötzlich in hohen Tönen. Schreit auf. Formt Worte: Summt ruhig un d tief. Begrüßt in erfreut em Ton ein imag inäres Ge genüber. „Hi, Jack !“ Etwas s päter dann: „Hi , John!“ Sie lässt die Stimme in aufgeregtes Flattern übergehen, sich überschlagen. Atmet rhythmisch. Klopft sich auf die Wangen wie auf kleine Trommeln. Imm er sch nel ler, imm er inte nsi ver . Maria João

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