Der Gitarrist Wolfgang Muthspiel gastiert mit seinem Trio beim Jazzfest Bonn. Im Interview berichtet er über seine musikalische Arbeit im Trio, als Solist und Dozent.

Der Gitarrist Wolfgang Muthspiel gehört zu den „Top Ten Jazz Guitarists of the World“ (Musicians Magazine). Die Arbeit des in Wien lebenden Bandleaders und Komponisten ist auf über 30 CDs dokumentiert, unter anderem erhielt er 1997 den Hans Koller Preis als Musiker des Jahres und wurde 2003 zum europäischen Jazzmusiker des Jahres gekürt. Gemeinsam mit dem Drummer Brian Blade und dem Bassisten Larry Grenadier gründete er ein Trio, von dem 2014 das Debütalbum „Driftwood“ bei ECM erschien. Mit diesem Trio wird Muthspiel beim Jazzfest Bonn am 12. Mai im Haus der Geschichte konzertieren.

 

Vor etwa einem Jahr haben Sie mit Ihrem Trio Ihre erste CD, Driftwood„, veröffentlicht. Mit Brian Blade arbeiten Sie ja bereits sehr lange zusammen – das hört man. Wie würden Sie die Atmosphäre innerhalb Ihres Trios beschreiben?

In diesem Trio herrscht eine große Aufmerksamkeit, alle hören einander zu, machen aber trotzdem ihr eigenes Ding. Diese Balance ist wichtig, weil man ja nicht nur reagieren, sondern auch Impulse setzen will. Andererseits gibt es ein gemeinsames Bestreben, den Songs gerecht zu werden, das heißt sie zu respektieren während man sie jeweils neu gestaltet.

Nach Bonn kommen Sie mit einem neuen Schlagzeuger, mit Jorge Rossy. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ich kenne Jorge schon lange, seit meiner Zeit in Boston in den frühen 90er Jahren. Jorge ist ein unglaublich musikalischer Drummer (er spielt auch Klavier und Vibraphon). Mit Larry Grenadier hat er ja sehr lange im Brad Mehldau Trio gespielt. Ich habe ihn auch an den Jazzcampus in Basel geholt, wo wir immer wieder zusammen spielen. Ich liebe seine Art zu swingen und seinen rhythmischen Puls, der extrem steady und verlässlich ist.

Ihre persönliche musikalische Bandbreite ist enorm, von Jazzpop über Klassik bis hin zu sakralen oder avantgardistischen Projekten. Wann greifen Sie zur akustischen, wann zur elektrischen Gitarre? Welcher Sound steht für welche Gedankenwelt? 

Es ist schon so, dass der Sound einen sehr leitet und andere Musik aus der akustischen Gitarre strömt als aus der E-Gitarre. Im Prinzip bin ich immer nur darauf aus, solche Atmosphären zu erzeugen, in denen man wie selbstverständlich spielen und improvisieren kann. Das kann man durch Kompositionen oder durch spezifische Klanglandschaften oder auch durch eine gewisse Offenheit dem Moment gegenüber schaffen.

Bei mir ist natürlich die klassische Gitarre auch verbunden mit der klassischen Musik die ich früher gespielt habe, vor allem mit Bach.

Über die Kompositionen, die Sie für das Trio geschrieben haben, sagten Sie einmal, Sie hätten „die weite ECM-Klanglandschaft im Kopf gehabt“. Dürfen wir uns auf „skandinavische“ Klangwelten freuen?

Das wird als Farbe dabei sein, aber ich denke dass da noch viel anderes dazu kommen wird. Die Konzerte im Trio mit Jorge und Larry waren bisher eher auf der explosiven Seite. Es gibt ein großes Buch an möglichen Stücken, und was letztlich am Konzertabend geschieht, wird nicht wirklich vorausgeplant.

Seit 2005 sind Sie als Gastprofessor an der Universität in Basel tätig. Was geben Sie Ihren Studenten mit auf den Weg?

Es gibt eine Welt von Jazzstandards und Improvisation, die ich als wesentliche Voraussetzung betrachte. Und dann gibt es natürlich die musikalische Welt des Studenten, mit seiner eigenen Farbe und Stilistik.

An beidem aufmerksam und lustvoll zu arbeiten, mit allen Hilfsmitteln, die einem zur Verfügung stehen, wäre das Ziel. Ganz sicher ist: je genauer man hört, desto bewusster kann man spielen.

Lieber Herr Muthspiel, vielen Dank für das Gespräch.

zurück


Facebook
YouTube
Instagram
Mail