von Viola Franziska Bender

 

Was „proben“ Jazz-Musiker in den letzten Stunden vor dem Konzert? Sollte so wenige Stunden vor einem Auftritt, bei dem ein nicht unbeachtlicher Teil ihrer Leistung aus Improvisation besteht, nicht alles besprochen und eingeübt sein? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, besuchte ich drei Stunden vor Konzertbeginn,  den Soundcheck von einem der renommiertesten und faszinierendsten Jazz-Pianisten der Welt: Django Bates.

Schnell wird deutlich, dass der Großteil der Zeit in das Einrichten der Technik fließt, um dem Publikum ein möglichst gutes Hörerlebnis zu bieten. Dieses Einrichten braucht seine Zeit und es ist faszinierend, wie gut oder schlecht man von diesem oder jenen Platz im Zuschauerraum hört.

Doch ohne Musik – kein Soundcheck. Zunächst werden eine Reihe von Werkpassagen angespielt, was gleich mehreren Zwecken dient: Django und seine beiden Kollegen können sich ihrerseits an die akustischen Gegebenheiten der Spielstätte (die Aula der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) gewöhnen und sich andererseits musikalisch feststehende Übergänge ins Gedächtnis rufen. In diesen Punkten besteht kein Unterschied zu ihren Kollegen aus der Klassik.

Spannend wird es, als sie die improvisatorische Teile „erproben“. Denn ganz im Sinne des Jazz merkt man ihnen die Freude am gemeinsamen Experimentieren auf der Bühne deutlich an, besonders da sie sich sichtbar – trotz der langen Zusammenarbeit – immer wieder gegenseitig selbst überraschen und auf neue Ideen bringen. Ein paar Eindrücke des Soundchecks von dem fantastischen britisch-skandinavischen Trio „Django Bates’ Belovèd“ habe ich mit meiner Kamera festgehalten.

Gehört habe ich so wunderbare Titel wie Slippage Street, von dem im vergangenen Jahre erschienenen Album „The Study of Touch“, wobei der hier genannte mich besonders in den Bann gezogen hat.
Die Assoziationen, die durch den Titel hervorgerufen werden – „slippage“ – „nicht fassbar“, etwas  Flüchtiges, was einem aus der Hand zu entgleiten droht, in Kombination mit dem Ort „Street“, was sogleich eine szenische Komponente hin zu fügt, werden beim Hören greifbar und erweitert. Die Musik von Django Bates lässt sich nicht konkret packen, ständig befindet sie sich in Bewegung, vollzieht eine grazile, organische Metamorphose.

Während die beim Soundcheck gespielten Fragmente nur eine Vorahnung auf den gesamten Titel zulassen, fügen diese sich am Abend nun zusammen. In der Ganzheit wird eine Atmosphäre geschaffen, in die man sich als Hörer problemlos hinein sinken lassen kann.

Am Klavier leit der Namensgeber des Trios „Django Bates’ Belovèd”  in das Stück mit sich wiederholenden Halbtonschritten ein – was an eine Umkehrung des Anfangs der ikonischen „Weißen Hai“ Titelmelodie erinnert – ehe der dänische  Schlagzeuger Peter Bruun und der schwedische Bassist Petter Eldh das Kaleidoskop verschiedenster Klangfarben eröffnen. Stetig entwickelt sich die Musik weiter, hier und dort tanzen eingestreute Dissonanzen, Bates scheut nicht vor der Ausreizung des Tonumfang der Klaviatur in seinen Extremen. Man fühlt sich in die verschiedensten Szenerien des zwielichtigen Nachtlebens einer pulsierenden amerikanischen Großstadt versetzt. In seiner Gänze ließe sich es sich vielleicht als eine musikalische Umsetzung einer (impressionistischen Variante) des „Nighthawk“ Gemäldes von Edward Hopper bezeichnen. Ein Konzert, das mich berührt. Und ein Soundcheck, der mir gezeigt hat: Eine gute Vorbereitung ist spannend, wichtig und notwendig. Doch wie die Reise aussieht, die wir – Musiker und Zuschauer – gemeinsam erleben und fühlen, dass wissen wir erst im Moment des Konzertes.

 

Fotos: Viola F. Bender

Wie klingt der Flügel? Für jeden Pianisten die entscheidende Frage beim Soundcheck.

Petter Eldh hat seinen eigenen Bass mitgebracht.

Das Trio baut sich beeindruckend eng beieinanderstehend auf. Gelingt so die Kommunikation besonders gut?

Markus Braun ist beim Jazzfest Bonn für den Ton zuständig. Das Jazzfest Bonn gastiert nahezu jeden Tag in einer anderen Location. Eine besondere Herausforderung, auch für Markus.

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